Es ist eines der stillen Dramen des deutschen Mittelstands: Profitable, in einer Region verankerte und etablierte Unternehmen finden keine Nachfolgerin, keinen Nachfolger – und müssen schließen. Und das eben nicht aus wirtschaftlicher Not, sondern weil die Frage „Wer macht weiter?" häufig zu spät, zu zögerlich oder gar nicht gestellt wurde.
Laut “Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2024” der KfW stehen bis Ende 2028 rund 532.000 kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland vor der Nachfolgefrage. Dabei schien die Sache insbesondere in Familienunternehmen jahrzehntelang klar: Kind übernimmt – fertig.
Doch das Interesse schwindet: Zwar favorisierten noch immer über die Hälfte der Inhaber die Übergabe innerhalb der Familie – nur qualifizierte und willige Nachfolger aus den eigenen Reihen seien immer seltener, wie dem KfW-Monitoring zu entnehmen ist. Als Gründe werden der demografische Wandel und zunehmende Karrierealternativen benannt. Laut ifo Institut und Stiftung Familienunternehmen haben im Jahr 2023 nur noch 34 Prozent der Familienunternehmen ihre Nachfolge familienintern besetzt.
In diese Lücke stoßen heute digitale Vermittlungsplattformen und ganze Beratungssegmente, die aus dem, was früher familiäre Gespräche waren, ein professionelles „Business-Match" machen. Einen Blick hinter die Kulissen eines boomenden Marktes bietet der brand-eins-Report „Die Kuppler des Mittelstandes“ von Julia Lauter aus der Kollektion „Nachfolge", die derzeit kostenlos lesbar ist.
Diese Kollektion zeigt auch, dass die Optionen weitaus vielfältiger sind, als der Blick auf die klassische Erbfolge vermuten lässt. Vererben, verkaufen, stiften — oder gar an die eigene Belegschaft übergeben? Genau das hat das Münchner Softwarehaus Iteratec getan: Die beiden Gründer verkauften ihr Lebenswerk an ihre eigenen Mitarbeiter, die dafür eine Genossenschaft gründeten. Details sind in dem brand-eins-Bericht “Nachfolge für alle” von Stefan Scheytt nachzulesen.
Eine Lösung, die meiner Beobachtung nach bedauerlicherweise viel zu selten diskutiert wird. Wieso eigentlich nicht? Denn wenn ein Unternehmen wirklich gut geführt wurde — weshalb traut man dem eigenen Team dann nicht zu, es weiterzuführen? Und wenn niemand in der Belegschaft je unternehmerisch mitgedacht hat, wessen Versäumnis ist das dann?
Genau darum geht es bei unserem Nachfolge-Event am 18.06. in Bad Fallingbostel: Fragen stellen (auch mal die unbequemen), neue Perspektiven entdecken — und vielleicht einen Anstoß mitnehmen, einen nächsten Schritt zu gehen.
Sehen wir uns?
Eintritt frei. Anmeldung erbeten. (Via Eventbrite oder per E-Mail an moindeltastart.de)